Radfahren bei Gewitter ist kein Fall für eine wasserdichte Jacke und etwas mehr Vorsicht. Blitzschlag, Sturmböen, Hagel und plötzlich überflutete Wege können eine Tour innerhalb weniger Minuten unsicher machen. Wer Donner hört, beendet die Fahrt und sucht einen geeigneten Schutzraum. Das gilt auch dann, wenn der Regen noch schwach ist oder der Himmel in Fahrtrichtung heller aussieht.
Vor der Tour: Warnlage für Strecke und Uhrzeit prüfen
Prüfe am Fahrtag nicht nur die Wetter-App für den Startort. Entscheidend sind auch Ziel, Höhenlage und der geplante Zeitraum. Die Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes zeigt amtliche Warnungen regional an. Für unterwegs stellt der DWD die WarnWetter-App bereit. Plane bei angekündigten Gewittern eine kürzere Runde, einen späteren Start oder eine Verbindung, die sich an Bahnhöfen und sicheren Gebäuden abbrechen lässt.
Eine Regenwahrscheinlichkeit allein beschreibt das Blitzrisiko nicht. Beobachte deshalb Warnstufe, zeitliche Entwicklung und Zugrichtung. Lade dein Telefon, speichere die Rückfahrt und markiere vorab feste Gebäude entlang der Strecke. Ein Café, Bahnhof oder öffentlich zugängliches Gebäude ist als Ausweichpunkt nützlicher als eine offene Schutzhütte im Wald.

Hinterlege die Warnregionen für Start, Wendepunkt und Ziel. Auf einer langen Strecke kann die Warnlage deutlich wechseln. Teile einer Kontaktperson deine geplante Route und den spätesten Rückkehrzeitpunkt mit, besonders wenn du allein auf ländlichen Wegen unterwegs bist.
Donner ist das Stoppsignal
Nach den Blitzschutz-Hinweisen des VDE bedeutet hörbarer Donner, dass sich das Gewitter weniger als etwa zehn Kilometer entfernt befindet. Liegen zwischen Blitz und Donner höchstens zehn Sekunden, besteht unmittelbare Gefahr. Warte daher nicht auf den ersten Tropfen und versuche nicht, das Gewitter mit höherem Tempo zu „überholen“.
Fahre kontrolliert zum nächsten geeigneten Schutz, solange der Weg dorthin noch sicher ist. Vermeide dabei hohe, freie Punkte, Waldränder, einzelne Bäume, Masten, Zäune und offene Ufer. Auf einer Brücke oder einem exponierten Deich anzuhalten ist keine gute Zwischenlösung. Wenn Böen die Spurhaltung erschweren, steige ab und suche den kürzesten sicheren Weg, statt gegen den Wind weiterzufahren.
Was als sicherer Schutz gilt
Am besten schützt ein geschlossenes Gebäude mit Blitzschutz oder ein vollständig geschlossenes Auto mit Metallkarosserie. Im Auto bleiben Türen und Fenster geschlossen. Stelle das Fahrrad so ab, dass es weder Zufahrt noch Fluchtweg blockiert. Du musst das Rad nicht mit in den Schutzraum nehmen, wenn dadurch Zeit verloren geht oder andere gefährdet werden.
Eine offene Bushaltestelle, ein Vordach, ein Pavillon, ein Zelt oder eine einfache Holzhütte ist nicht automatisch blitzsicher. Auch die Reifen des Fahrrads schützen nicht vor einem Blitz. Der Ratgeber des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, Fahrräder und andere Metallgegenstände nicht festzuhalten und Abstand zu Bäumen, Masten und Metallzäunen zu halten.
Wenn kein Gebäude erreichbar ist
Es gibt draußen keinen gleichwertigen Ersatz für ein sicheres Gebäude. Bist du dennoch überrascht worden, verlasse exponierte Punkte, offene Flächen und unmittelbare Gewässernähe. Halte Abstand zu alleinstehenden Bäumen und zum Waldrand. Suche eine tiefer gelegene Stelle, die nicht überflutungsgefährdet ist. Stelle das Fahrrad einige Meter entfernt ab und berühre es nicht.
Der VDE rät in einer unvermeidbaren Notsituation zu einer hockenden Haltung mit eng zusammenstehenden Füßen und möglichst kleiner Kontaktfläche zum Boden. Lege dich nicht flach hin. Gruppen verteilen sich mit Abstand, statt sich dicht zusammenzustellen. Diese Maßnahmen verringern einzelne Risiken, machen den Aufenthalt im Freien aber nicht sicher. Bei einer verletzten Person gilt: 112 anrufen, den Anweisungen der Leitstelle folgen und im Rahmen der eigenen Sicherheit Erste Hilfe leisten.
Nicht nur Blitze sind gefährlich
- Sturmböen: Seitenwind kann das Fahrrad versetzen. Äste und Gegenstände können auf den Weg fallen.
- Hagel: Sicht und Haftung nehmen ab; Schutz unter einem geschlossenen, stabilen Bauwerk ist wichtiger als die geplante Etappe.
- Starkregen: Markierungen, Schienen, Holzstege und Laub werden rutschig. Bremswege verlängern sich.
- Überflutung: Unterführungen und Senken können schnell volllaufen. Fahre niemals in Wasser, dessen Tiefe oder Strömung du nicht sicher beurteilen kannst.
- Schlechte Sicht: Schalte die vorgeschriebene Beleuchtung ein, bleibe aber nicht allein deshalb auf einer gefährlichen Strecke.
Das BBK bündelt Hinweise zu Unwettervorsorge und Warnkanälen. Wenn eine amtliche Warnung vor schwerem Gewitter oder extremem Unwetter besteht, ist Verschieben meist die vernünftige Tourenentscheidung.
So handelt eine Gruppe
Bestimmt vor der Tour eine Person, die Warnungen beobachtet, und vereinbart Abbruchpunkte. Beim ersten Donner sagt die Gruppe klar „Stopp“, zählt durch und fährt geschlossen, aber mit genügend Abstand zum Schutzort. Niemand wird allein zurückgeschickt, um Ausrüstung zu holen. Kinder oder unerfahrene Mitfahrende fahren nicht unter Zeitdruck weiter.
Wenn die Gruppe draußen feststeckt, verteilt sie sich so, dass nicht alle Personen durch dasselbe Ereignis betroffen sind, ohne den Sichtkontakt unnötig zu verlieren. Telefonate bleiben kurz, damit der Akku für Warnmeldungen und Notruf verfügbar ist. Ein Live-Standort kann helfen, ersetzt aber keine klare Ortsbeschreibung mit Straße, Wegkreuzung oder Rettungspunkt.
Wann die Fahrt weitergehen kann
Ein heller Himmel ist noch keine Entwarnung. Der VDE empfiehlt, einen sicheren Bereich erst 30 Minuten nach dem letzten hörbaren Donner zu verlassen. Prüfe danach erneut die DWD-Warnung und die weitere Zugrichtung. Wenn eine zweite Gewitterlinie folgt oder Wege durch Sturm und Wasser beschädigt sein könnten, brich die Tour ab.
Kontrolliere vor der Weiterfahrt Reifen, Bremsen, Licht und sichtbare Schäden. Bei einem E-Bike bleiben Akkuanschluss, Display und Ladebuchse geschlossen und werden nach Herstelleranleitung behandelt. Ein untergetauchtes, gestürztes, ungewöhnlich warmes oder beschädigtes System wird nicht eingeschaltet. Lass es fachgerecht prüfen.
Praktischer Kurzplan
- DWD-Warnungen für die gesamte Route und Fahrzeit prüfen.
- Geschlossene Gebäude, Bahnhöfe und Abbruchmöglichkeiten markieren.
- Bei hörbarem Donner die Fahrt beenden und Schutz suchen.
- Offene Hütten, einzelne Bäume, Kuppen, Ufer und Metallzäune meiden.
- Mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donner warten.
- Warnlage, Strecke und Fahrrad vor der Weiterfahrt neu bewerten.
Häufige Fragen
Ist Radfahren in der Stadt bei Gewitter weniger gefährlich?
Geschlossene Gebäude sind dort meist schneller erreichbar. Auf dem Fahrrad im Freien bleibt das Blitz- und Sturmrisiko jedoch bestehen. Nutze die Nähe zu sicheren Gebäuden zum frühen Abbruch.
Kann ich unter einem großen Baum warten?
Nein. Einzelne Bäume und der Waldrand gehören zu den Bereichen, die du meiden solltest. Ein geschlossenes, geeignetes Gebäude ist die bessere Wahl.
Schützen Gummireifen vor einem Blitz?
Nein. Die dünnen Fahrradreifen machen eine Person im Freien nicht blitzsicher. Entscheidend sind ein geeigneter Schutzraum und das rechtzeitige Beenden der Fahrt.
Reicht eine halbe Stunde nach dem letzten Blitz?
Orientiere dich am letzten hörbaren Donner, nicht nur am sichtbaren Blitz. Der VDE nennt 30 Minuten nach dem letzten Donner als Wartezeit, bevor der sichere Bereich verlassen wird.




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