Das Rechtsfahrgebot verlangt, möglichst weit rechts zu fahren. Es verlangt nicht, im Rinnstein, über Gullydeckel oder innerhalb der Türzone parkender Autos zu rollen. Die sichere Linie hängt von Fahrbahnrand, Hindernissen, Fahrzeugbreite und Verkehr ab. Wer seinen Platz nachvollziehbar wählt, beachtet das Rechtsfahrgebot und schützt zugleich die eigene Reaktionsreserve.

Was „möglichst weit rechts“ wirklich bedeutet

§ 2 Absatz 2 StVO schreibt vor, möglichst weit rechts zu fahren, besonders bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit. „Möglichst“ berücksichtigt aber die konkrete Möglichkeit. Glasscherben, Schienen, abgesackte Rinnen, Schnee, geöffnete Türen oder ein unebener Rand können einen größeren Sicherheitsraum erfordern.

Das Gebot gilt nicht nur auf breiten Hauptstraßen. Auch auf Radwegen, Radfahrstreifen, Schutzstreifen und Fahrradstraßen hältst du dich grundsätzlich rechts. Auf einem schmalen Zweirichtungsradweg bleibt trotzdem genügend Platz zu Kante, Hindernissen und Gegenverkehr. Eine starre Linie für alle Situationen gibt es nicht.

Abstand zum Bordstein und zur Gosse

Direkt am Bordstein fehlt Ausweichraum. Pedale können die Kante berühren, Abläufe liegen tiefer und Schmutz sammelt sich häufig am Rand. Der ADFC nennt ohne parkende Autos ungefähr 80 Zentimeter als praktische Orientierung, gemessen vom Lenkerende. Das ist keine im Gesetz festgeschriebene Zahl, sondern eine situationsbezogene Empfehlung.

Auf einer sauberen, breiten und übersichtlichen Fahrbahn kann weniger Raum genügen; bei Rinnen, Seitenwind oder schlechten Oberflächen kann mehr nötig sein. Prüfe nicht nur den Reifenabstand: Lenker, Gepäcktaschen und Anhänger verbreitern dein Fahrzeug. Maßgeblich ist, ob du kontrolliert fahren und auf ein Hindernis reagieren kannst.

Parkende Autos und das Dooring-Risiko

Eine plötzlich geöffnete Autotür kann den gesamten Bereich neben einem Fahrzeug blockieren. Der ADFC hält bei parkenden Autos mehr als einen Meter beziehungsweise etwa eine Türbreite für angemessen. Auch diese Angabe ist praktische Sicherheitsorientierung und kein pauschaler gesetzlicher Mindestwert für jeden Fall.

Nach § 14 StVO müssen Ein- und Aussteigende eine Gefährdung anderer ausschließen. Darauf darfst du dich im Alltag nicht blind verlassen. Achte auf besetzte Sitze, Bremslichter, laufende Motoren, Taxifahrgäste oder Personen, die etwas aus dem Auto holen. Bei einer bereits geöffneten Tür oder erkennbarem Beladen ist zusätzlicher Abstand sinnvoll.

Warum eine knappe Türzone auch Überholen verschlechtert

Fährst du direkt neben parkenden Autos, wirkt die verbleibende Fahrbahn für nachfolgende Kraftfahrer größer. Das kann zu einem Überholen innerhalb derselben schmalen Spur verleiten. Eine klare, sichere Linie macht eher sichtbar, dass ein ordnungsgemäßer Überholvorgang ausreichend Raum oder einen vollständigen Spurwechsel braucht.

Radfahrer wartet mit Abstand vor einer geöffneten Autotür

Die gesetzliche Pflicht der Kraftfahrer, beim Überholen innerorts mindestens 1,5 Meter und außerorts zwei Meter zu Radfahrenden einzuhalten, ist eine eigene Regel. Sie verpflichtet dich nicht, deinen Sicherheitsraum rechts zu opfern. Umgekehrt darfst du absichtliches Blockieren oder überraschendes Pendeln nicht mit dem Überholabstand rechtfertigen.

Schutzstreifen und Radfahrstreifen

Ein Schutzstreifen ist Teil der Fahrbahn und wird durch eine gestrichelte Linie markiert. Liegt er direkt neben parkenden Autos, kann seine rechte Hälfte in der Türzone liegen. Du musst dich nicht aus Selbstgefährdung an eine gemalte Linie pressen. Fahre mit vorherigem Schulterblick und klarer Linie weiter links, wenn der notwendige Sicherheitsabstand das erfordert.

Ein Radfahrstreifen ist durch eine durchgezogene Linie abgetrennt und normalerweise benutzungspflichtig. Auch dort bleibt ein situationsgerechter Abstand zu parkenden Fahrzeugen wichtig. Ist die markierte Fläche objektiv zu schmal oder blockiert, wird die konkrete Lösung anspruchsvoll. Wechsle nicht plötzlich über die Linie, sondern reduziere, beobachte und wähle einen rechtlich sowie praktisch sicheren Übergang.

Enge Fahrbahn und Gegenverkehr

Wenn die Straße für Gegenverkehr, dein Fahrrad und einen legalen Überholabstand nicht gleichzeitig breit genug ist, muss das überholende Fahrzeug warten. Fahre berechenbar. Ein hektischer Sprung in eine Parklücke kann dazu führen, dass du wenige Meter später gefährlich wieder ausscheren musst. Eine gleichmäßige Linie ist oft besser als ständiges Ein- und Ausfädeln.

Begegnen dir Bus oder Lastwagen, hältst du möglichst rechts, ohne den sicheren Randbereich aufzugeben. Reduziere früh das Tempo und suche nur dann eine geeignete Ausweichstelle, wenn sie tatsächlich befahrbar ist. Der Druck eines nachfolgenden Fahrzeugs macht einen Gehweg oder eine gefährliche Rinne nicht zum zulässigen Fahrraum.

Mit Anhänger oder breitem Gepäck

Ein Anhänger folgt nicht immer exakt der Linie des Hinterrades. In Kurven läuft er enger, und seitliches Gepäck kann an Pollern oder parkenden Autos hängen bleiben. Plane den Abstand nach der äußersten Breite des Gespanns, nicht nach dem Lenker allein. Vor der ersten Alltagsfahrt übst du langsames Anfahren, Bremsen und Kurven auf einer verkehrsfreien Fläche.

Bei einem Pedelec verändert die Motorunterstützung diese Grundregel nicht. Das höhere Systemgewicht kann aber den Bremsweg und das Ausweichverhalten beeinflussen. Fahre deshalb nicht schneller in eine enge Türzone, nur weil das Anfahren leicht ist.

Wenn von hinten gehupt oder gedrängelt wird

Bleibe ruhig, halte die Linie und vermeide eine spontane Fluchtbewegung. Suche eine sichere Stelle, an der du ein schnelleres Fahrzeug vorbeilassen kannst, wenn das ohne Gefährdung möglich ist. Steuere nicht auf den Gehweg und halte nicht in einer Türzone. Kennzeichen oder Konflikte während der Fahrt mit dem Smartphone zu filmen, kann die eigene Aufmerksamkeit zusätzlich beeinträchtigen.

Kommt es zu einer akuten Bedrohung, hat die unmittelbare Sicherheit Vorrang. Fahre zu einem belebten, sicheren Ort und verständige bei Gefahr die Polizei. Eine spätere Bewertung braucht Ort, Zeit, Fahrtrichtung und eine sachliche Beschreibung; eine Diskussion im fließenden Verkehr löst die Enge nicht.

Fünf-Punkte-Check für deine Fahrposition

  1. Liegt rechts eine Rinne, Kante oder verschmutzte Fläche?
  2. Können Türen geöffnet oder Fahrzeuge ausgeparkt werden?
  3. Brauchen Gepäck, Anhänger oder Seitenwind zusätzlichen Raum?
  4. Ist deine Linie früh erkennbar und ohne plötzliche Schlenker?
  5. Kannst du bremsen und ausweichen, ohne Bordstein oder Gegenverkehr zu treffen?

Häufige Fragen

Muss ich direkt am rechten Fahrbahnrand fahren?

Nein. Du fährst möglichst weit rechts, behältst aber den notwendigen Sicherheitsraum zu Kante, Schmutz, Hindernissen und parkenden Fahrzeugen.

Ist ein Meter Abstand zu parkenden Autos Gesetz?

Die StVO nennt für Radfahrende keinen festen Wert. Der ADFC empfiehlt mindestens etwa einen Meter als praktische Orientierung. Die konkrete Situation kann mehr Raum verlangen.

Darf ich einen Schutzstreifen nach links verlassen?

Ein Schutzstreifen ist Teil der Fahrbahn. Wenn seine Nutzung wegen parkender Autos oder Hindernisse gefährlich wird, darf eine sichere Linie weiter links erforderlich sein. Prüfe vorher den rückwärtigen Verkehr.

Wer trägt die Verantwortung für eine geöffnete Autotür?

Ein- und Aussteigende müssen Gefährdungen ausschließen. Die Haftung nach einem Unfall hängt dennoch vom konkreten Ablauf und den Beweisen ab und lässt sich nicht pauschal vorhersagen.

Stand: 6. September 2026. Der Beitrag bietet allgemeine Orientierung und keine Haftungsprognose für einen Einzelfall.

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